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Goldsuche in Sibirien

Goldsuche in Sibirien

Ein Goldrausch jagte dem anderen. Nach dem kalifornischen folgte der australische "rush". Dann fand man die reichen Seifenlagerstätten in Sibirien, und das zaristische Rußland wurde vom Fieber ergriffen. Zahlreiche Russen wurden vom plötzlichen Goldreichtum in die Einöde Sibiriens gelockt und ließen in der zuvor noch menschenleeren Wildnis eine recht lebhafte Goldindustrie entstehen.

Über eine der sibirischen Goldgräbersiedlungen schrieb der Korrenspondent des "Ortenauer Boten/Offenburger Tageblatt" am 21. April 1912:

  • „Fraglos besitzt der asiatische Teil der heutigen Sowjetunion die reichsten Lagestätten: die gefrorenen Goldseifen von Bodailo, Kolar, Kabaktan (Lana-Goldfelder), Sowjetski Rudnik, Eldorado, Ajachta (Jenissei-Felder), Sutam, Timpton, Tommot (Aldan-Felder zwischen Aldan und Jakutsk), Balei, Unda- und Turafluß (Transbeikalien), Selemdsha mit Oktjabruski, Berecljach, Atjurjach, Orotukan, Allachjun (Nordfernost, Kolymagebiet), ferner Vorkommen in Mittelsibirien, im Ural (Beimak-Tanalyk) und in Kasachtan."
  • Bei Temperaturen von 50 bis 60 Grad Celsius unter dem Nullpunkt schlug man in die Eisdecken der Flüsse große Löcher. Bald gefror das Wasser darunter und verkrustete sich zu einer neuen starken Eisdecke, die es durchaus erlaubte, erneut einen Vorstoß in den Fluß zu wagen. Mit dieser Methode gelangte man endlich bis auf das Flußbett hinunter und konnte ungestört auf dem Grund arbeiten. Mit großem Erfolg wurden so den Flüssen kostbare Schätze entrissen.
  • Im Geologischen Museum der Technischen Hochschule von Irkutsk liegen Nachbildungen der größten Goldnuggets, die je in der unwirtlichen Kälte Sibiriens gefunden wurden. Ihre Gewichte betrufen zwischen 12 und 36 Kilogramm, und sie erhielten Namen wie: "Der arme Unbekannte". Doch die Meldungen von riesigen Nuggetfunden in Sibirien reißen nicht ab. Erst im November 1990 hat der Baggerführer Alexander Andrijeski einen 12 Kilogramm schweren Goldklumpen gefunden. Es war kurz nach Feierabend, er hatte gerade seinen Bagger abgestellt, als er plötzlich im Geröll der Baugrube etwas funkeln sah. Spontan löste der Riesenfund einen Goldrausch aus. Das Ufer des Flusses Bodaibo in Ostsibirien wurde regelrecht umgegraben. Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS meldete: "In diesem Gebiet wird seit Urzeiten Gold gesucht."

Heute arbeiten in der ewigen Gefrornis modernste Maschinen, die vom Bagger bis zur Goldwäscherei die reichen Sande in einem Arbeitsgang bewältigten. Das natürliche Auftauen des hartgefrorenen Bodens durch die Sonneneinwirkung geht zu langsam vor sich, selbst starke Wasserstrahlen (Düsen-röhren) vermögen kaum, die gewünschte Wirkung zu erzielen. So setzt man gegenwärtig überall Wasserdampf gegen das ewige Eis in.

Doch bevor es soweit ist, ziehen junge Geologen in die Wildnis, mit allem, was sie zum Leben für drei Monate brauchen. Denn nur drei Monate lang dauert der sibirische Sommer. Meter für Meter sammeln sie Bodenproben. Die neue geologische Karte von Sibirien hat Tausende unbekannter Autoren. Die Gesteinsproben, die nur im kurzen Sommer gesammelt werden können, gehen anschließend in die Labore und werden dort einer gründlichen Analyse unterzogen“

Gold spielt für die Sowjetunion besonders im Außenhandel eine überaus wichtige Rolle. Wenn die unentbehrliche Ausweitung des sowjetischen Handels mit der freien Welt aufrecht erhalten und bleiben soll, muß ständig mit Gold bezahlt werden. Und dieses Gold wird eben auch durch Zwangsarbeit ausgebeutet. In einem Bericht von Dallin und Kikolaevski (Forced Labor in Soviet Russia, S. 62 ff.) heißt es:

  • „Die bedeutendste Gewinnungsstätte für sowjetische Gold liegt wohl im Kolyma-Gebiet im äußersten nordöstlichen Teil Sibiriens. Es ist eine der kältesten Gegenden der Welt, mit Junitemperaturen von minus 25 Grad Celsius. Die Goldgewinnung in den Bergwerken nahm im Jahre 1932 hier ihren Anfang mit einer Bevölkerung von Zwangsarbeitern, die mitunter auf schätzungsweise eine Million anstieg."

Stellen Sie sich eine Million Zwangsarbeiter vor! - Zahlen der Männer und Frauen, die infolge Erfrierungen, Unterernährung und Überarbeitung (für Männer 12 Stunden, für Frauen elf Stunden pro Tag) gestorben sind, blieben im Westen unbekannt. Vielerorts sind Berichte bekannt geworden, wonach mit Schürfbaggern die sibirische Tundra durchpflügt wird. Aber nicht nur Bagger und Planierraupen kriechen über das "ewige Eis", auch Menschen.

Sie setzen sich zusammen aus Leuten, die Stalin vor Jahrzehnten in die unwirtliche Kälte verbannte und die nun zurückblieben, aus deren Kinder, die niemals den Wohlstand kennenlernten, ein wenig auch aus Abenteuerlustigen. Und den Verurteilten. Wo Goldabbau betrieben wird, ist die Taiga üblicherweise durch einen zuvor angelegten Brand vernichtet worden und machte Platz einer häßlichen Raublandschaft, die Raubbau auch an ihren Menschen betreibt.

Über die sinnlose Zerstörung eines einzigartigen Mammutfundes berichtet die Moskauer Parteizeitung "Prawda". Arbeiter eines Goldbergwerkes, die auf einen gefrorenen Mammutkadaver stießen, hätten den Fund zerstört und beseitigt, damit die Arbeiten nicht durch die Ausgrabungen behindert würden. Berichtet hat dies ein aus Jakutien stammender Ingenieur. Nach Angaben sowjetischer Experten wäre das der zweite vollständige Mammutfund der Welt gewesen. Die gefrorene Mammutleiche sei in der Nacht mit einer Planierraupe freigelegt worden. Dann hätten Arbeiter zunächst die Stoßzähne zersägt. Das Fleisch sei den Hunden vorgeworfen worden. Danach seien die Goldsucharbeiten fortgesetzt worden.

Daß es in den sibirischen Goldgräberlagern auch heute noch keineswegs so friedlich zugeht, davon zeugen immer wieder Berichte aus dem "ewigen Eis". Sogar vor Mord und Totschlag wird offenbar nicht zurückgeschreckt. Laut einem Bericht einer sibirischen Zeitung im Mai 1987 verdrängten „wie Banden organisierte" Genossenschaften immer mehr die staatlichen Goldgewinnungsbetriebe. Der Chef der Genossenschaft in Tschita habe sogar seinen Stellvertreter durch gekaufte Killer ermorden lassen. Ursprünglich sei den kriminellen Genossenschaften nur die Ausbeute kleinerer Goldseifen erlaubt worden. Korruption machte es möglich, daß sie auch auf Felder vordrangen, "wo man Gold mit einer Planierraupe einbringen kann".

Zu Zeiten des Kalten Krieges hatten die Genossen in Moskau angeblich 2000 Tonnen Gold als verläßliche Staatsreserve in ihren Tresoren angehäuft. Doch im Rennen um die Weltherrschaft setzten sie alles auf Menschenmaterial und damit die Billigmethode, das Gold den Weiten Sibiriens zu entreißen. Stalins Erben schürften sich zwar an die vierte Stelle auf der Hitliste der Goldförderländer der Welt, aber mit dem Zusammenbruch des Sowjetreiches rutsche die Produktion der Magadan-Vorkommen, der Goldgrupe Rußlands, auf 25,8 Tonnen. 1996 wurden vermutlich nur noch 19 Tonnen gewonnen. Dabei war das Doppelte geplant.

Der Glaube an den unerschöpflichen Reichtum an Zwangsarbeiter im eigenen Land ließ die Technik im fernen Osten sträflich veralten. Noch heute fressen sich beispielsweise in Ust-Omtschug vorsintflutliche Schwimmbagger durch die Kolyma-Täler. Doch die eigentliche Lagerstätte liegt weitaus tiefer: 300 Meter unter der Wasseroberfläche, schätzen Geologen, liegt das eigentliche Goldvorkommen. Sechs Milliarden Dollar wären erforderlich, um die gigantische Schatzkammer anzuzapfen. Aber Rußland hat nicht einmal das Geld, die Goldsucher rund um Magadan zu bezahlen. Monatelang warten sie, bis sie mal einen Rubel erhalten. Dabei müssen sie all ihr Gold stets sofort abgeben.

240.000 Menschen leben in der Goldregion, in der im Sommer bei 40 Grad Hitze die Mücken das Regime führen und im Winter bei minus 60 Grad der Atem zu Eiskristallen erstarrt. Die Goldgrube liegt 7000 Kilometer von Moskau entfernst zwischen Eismeer und Stillem Ozean. Schätzungsweise 50.000 Tonnen Gold liegen noch immer dort, aber es fehlt an Geld, moderne Förderanlagen zu betreiben, geschweige sie zu kaufen. Es fehlt an Ersatzteilen; viele der heillos veralteten Maschinen liegen still, rosten vor sich hin.

1910 wurden die riesigen Vorkommen von einem Geologen entdeckt. Millionen von Strafgefangenen mußten an die Kolyma reisen, um die russischen Goldbestände aufzufüllen. 1940 förderten die Gefangenen am „Kälte- und Grausamkeitspol des Archipel Gulag“, wie Alexander Solschenizyn die ”de Wildnis beschrieb, 80 Tonnen Gold. Heute entspräche das einem Wert von rund 1,5 Milliarden DM.

Noch immer werden die Goldsucher an die grausame Zeit während der Diktatur erinnert. Dann nämlich, wenn die Schmelzwasser menschliche Knochen aus dem Boden spülen. Jede Siedlung an der Kolyma ist ein Überbleibsel eines ehemaligen Strafgefangenenlagers. 38 hatten Stalis Kommissare allein bei Ust-Omtschug erbauen lassen. Laut den amtlichen Angaben sollen darin 300.000 Menschen ihr Dasein gefristet haben. Wahrscheinlich aber waren es zehnmal mehr.

Noch immer sind die Reste des Sonderlagers Butugytschag zu sehen, die Hölle des Archipels: Hütten aus aufgeschichteten Steinen in 1700 Höhenmeter, Berge abgetragener Schuhe und von Hand ins harte Gestein getriebene Stollen, dazu jede Menge Schrott und total verrostete Maschinen „Made in U.S.A.“ - Reste von Lieferungen, als die Sowjetunion und Amerika noch Verbündete gegen die Naziherrschaft waren.