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Goldwaschen am Rhein

Auf der Suche nach dem legendären Rheingold

In der Ruhe des frühen Morgens verirrt sich selten ein Angler an den Fluß. Träge steigen Nebelschwaden auf, Vogelgezwitscher verkündet den jungen Tag. Am Ufer hockt eine Gestalt, bewegt eine Metallschüssel, wirft einen prüfenden Blick hinein. Das Wasser und grobes Geröll sind längst herausgespült. Übrig blieb pechschwarzer, feinster Sand. Plötzlich hastige Bewegungen. Die Fingerkuppe stochert in der Metallschüssel. - Endlich: Gold!

Diese wunderschönen Goldflitter hat der elsässische Goldsucher Guy Pflieger während weniger Goldwaschversuche aus dem Rheinsand bei Neuenburg am Rhein geholt. Sie sind bis zu 1 mm groß.

Dazu schrieb er: “Hallo Franz-Josef, habe ja schon vor längerer Zeit eine Schleuse bei Dir gekauft. Möchte jetzt doch mal behaupten: Die ist nicht schlechter als alle anderen. Funktioniert echt Klasse! War vor 2 Wochen mit 5 anderen Leuten, die auch Schleusen hatten, bei Istein und habe am meisten gefunden. Kann natürlich z.T. auch an der Menge des geschaufelten Materials liegen, da ich geschaufelt habe wie verrückt. Allerdings habe ich jetzt ca 1 cm über die Riffel über die ganze Länge ein 5-er Lochblech zum Aufklappen gemacht, da ohne doch immer wieder die Riffelbleche verbogen wurden. Da kann man jetzt Material wie verrückt draufschaufeln, ohne dass etwas verstopft.”

Die Szene stammt keineswegs aus dem „goldenen Westen" Amerikas. Der gefürchtete Goldrausch bleibt aus. Allemal an Wochenenden und dann nur in den frühen Morgenstunden oder an regnerischen Tagen und wenn der Wasserstand niedrig ist, gehen immer mehr Menschen einem Freizeitspaß nach: der Goldwäscherei. Namen wie Goldscheuer bei Kehl in der Ortenau erinnern an jene wenig glanzvolle Vergangenheit. Die Prospektoren suchen - ganz im Gegensatz zu ihren amerikanischen Hobbykollegen, die sich in Hunderten von Clubs und Vereinen organisiert haben - in der Regel abseits öffentlichen Spektaktels nach dem „König der Metalle".

Dabei reicht die Ausbeute eines ganzes Tages trotz aller Plagerei kaum aus, um selbst „einer Maus ein Zahnplömbchen zu verpassen", meint der Waldshuter Wochenend-Goldsucher Franz Falkenstein. Aber es macht eben riesigen Spaß. Jedes Jahr zieht es Tausende Europäer an einsam gelegene Gebirgsbäche oder goldführende Flüsse. Einige Waschgründe liegen am Rhein.

Goldsucher bei Speyer, 1969

Das Gold der Rheinsande, über das schon die Römer Bescheid wußten, hat seinen Ursprung in den Schweizer Alpen und gelangt über die Emme durch die Aare bei Waldshut in den Rhein. Ursprünglich entstammt es abgetragenen Goldquarzgängen und kommt im Napfgebiet in „Seifen" vor. Je mehr es flußabwärts transportiert wird, um so kleiner tritt es in Erscheinung. Das noch „grobe Gold" tritt dabei entgegen landläufiger Meinungen nicht etwa in Klumpen zu Tage, sondern besteht aus nur wenigen Milligramm schweren Teilchen. Durch die Verfrachtung verringert sich sein Volumen und wird so zu Flitterchen, deren Gewicht nur noch tausendstel Gramm betragen.

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Die Gewinnung des Rheingoldes ist heute nicht mehr rentabel. Sie vollzog sich in der Vergangenheit auf verschiedenste Art. Zum einen wurde auf eine geneigte Sandbank ein rauhes Tuch gelegt, auf das der goldhaltige Sand gespült wurde. Dabei blieben die meisten Flitterchen haften, wobei sich auch andere Schwermineralien einfanden.

Eine zweite Gewinnungsart ist die mit Schüsseln. Hierzu berichtet ein 1872 erschienener Beitrag zur geologischen Karte der Schweiz von F. J. Kaufmann:
„Man probiert mittels einer eisernen Schüssel, die einen Fuß im Durchmesser besitzt und ziemlich stark vertieft ist. Mittels Schaufel wird Sand hineingetan nebst Wasser. Man wiegt hin und her, nimmt das Gröbere mit der Hand heraus, bis endlich ein feiner, schwärzlicher Sand übrig bleibt. Wo kein solcher Sand sich zeigt, da ist auch kein Gold. Dieser Sand enthält die Goldplättchen, nach deren Zahl und Größe man urteilt, ob eine fernere Arbeit geraten sei oder nicht. Fünf bis sieben Goldplättchen garantieren für einen guten Taglohn. Auf den Tag wurde in der Regel so viel Material verarbeitet, daß zwei bis drei Pfund Sand heimgetragen werden konnten. Der tägliche Verdienst betrug durchschnittlich 1 1/2 Franken, selten nur 1 Fr., in Ausnahmefällen aber bis 10 Fr., wobei der nicht unbedeutende Erlös für Schreibsand inbegriffen ist."

Altrhein bei Bad Bellingen. Kleine Bilder antippen und vergrößern!

Noch bis ins vorige Jahrhundert fanden sich Goldwäschereien von Waldshut (Aaremündung) bis unterhalb der Stadt Mainz, wobei man dem Gebiet zwischen Lahr und Philippsburg wohl besondere Bedeutung zumaß. Weitere Fundorte lagen am Mittelrhein, allerdings stammt es dort eher aus goldhaltigen Zuflüssen, wie zum Beispiel der Mosel.

In seiner Abhandlung "Das Rheingold" (aus: "Der Aufschluß", Heft 7/8, 1969) schreibt Professor Dr. Franz Kirchheimer, langjähriger Präsident des Geologischen Landesamtes in Freiburg im Breisgau, daß das Gewicht der Rheingold-Flitterchen durchschnittlich 0,006 Milligramm betrage, daß also rund 165.000 Stück ein volles Gramm erbrächten. Aber es seien auch körnige, plattige und drahtähnliche Teilchen "bis zu zehn Milligramm", sogenanntes "grobes Gold", vertreten. Sogar kleine Goldkristalle kämen vor, wie man feststellte (2,3 Milligramm). Es kommt noch toller: 1849 fand man im Bereich der Ill bei Straßburg ein Geröll, bestehend aus Quarz, ungefähr in Form und Größe eines Hühnereies, das stolze 17 Gramm Gold enthielt.

Hochwasser ist für die Bildung goldführender Geröllbänke unentbehrlich. Nach den heftigen Regenfällen Anfang August 2007 in der Schweiz führte die Aare so viel Wasser mit sich, dass binnen Stunden auch der Rheinpegel um mehrere Meter anstieg. So sah der Rhein bei Neuenburg aus.

Das Rheingold mußte an Sammelstellen abgegeben werden oder man brachte es zu den Münzstätten. Mit der Zeit entwickelte sich allerdings ein reger Schwarzhandel, da die festgesetzte Vergütung des Goldes nicht dessen Wert einholte. Auch brachte der Schreibsand eine willkommene Nebeneinnahme, wurde aber im Wandel der Zeit vom Löschpapier immer mehr verdrängt.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gingen plötzlich die Erträge bei der Rheingoldgewinnung erheblich zurück, bis 1874 in der Münze von Karlsruhe das letzte Mal Gold abgeliefert wurde. Es waren genau 89 Gramm. Damit erlosch zugleich eine 2000 Jahre währende Tradition. Welchen kärglichen Lohn die Rheingoldwäscher verdienten, hat der Franzose Gabriel Auguste Daubrée errechnet. 1846 untersuchte er vier Sandsorten unterschiedlicher Ergiebigkeit. Er errechnete, daß damals ein Goldwäscher pro Tag neun Stunden arbeitete und dabei vier Kubikmeter Sand wusch. Je nach Sorte konnte ein Goldwäscher von reichen oder kärglichen Waschgründen sprechen. Die dritte Sorte ist der gewöhnliche Waschsand. Er enthält auf der Probierschaufel zehn bis zwölf Flitterchen (bei der zweiten Sorte 25 bis 30, bei der ersten Sorte 70 bis 80).

Aber schon 100 Jahre zuvor war die Rheingoldwäscherei im Sterben begriffen, wie eine Episode aus jenen Tagen belegt. Mit aller Zähigkeit hatte man am Hof in "Carlsruhe" in der vor nicht allzu langer Zeit neu gegründeten Ressidenz der badendurlachischen Länder versucht, das Goldwaschen in Gang zu halten. Dort hätte man das Gold sehr gut gebrauchen können. Im April 1768 machte sich Schultheiß König aus Weisweil am Kaiserstuhl auf höhere Weisung daran, „die Weisweiler Gründe zu visitieren". Das Ergebnis war wenig ermutigend. Trotzdem erhielt er aus Karlsruhe die Anweisung, zu erkunden, „ob sich nicht jemand finden möchte, der dieses Geschäft erlernen und das sich findende Gold aus dem Sand herauswaschen wollte."

Als Vergütung wurden zwei Gulden und 30 Kreuzer in Aussicht gestellt. Auf der Suche nach einem Goldwäscher traf er auf einen Georg Haag, der 40 Jahre zuvor das Handwerk beim Goldwäscher König in Knielingen erlernt hatte. Haag erklärte sich bereit, seinem Sohn und ein paar jungen Leuten diese Kunst beizubringen.

Noch im Sommer 1768 machten sie sich ans Werk und lieferten im Juni bereits 3 1/2 Kronen an die Rentkammer nach Emmendingen; dafür erhielten sie zwei Gulden und 30 Kreuzer. Schon bald mußten sie feststellen, daß sie bei dem kärglichen Lohn „nicht bestehen könnten". Im Herbst 1774 trat die Vogtei von neuem an die Goldwäscher heran und versuchte sie zu ermuntern, das Handwerk wieder aufzunehmen. Diese stellten die Forderung, künftig 18 Gulden für das Lot gebrannten Goldes (eingeschmolzener Goldstaub) zu bekommen. Schließlich einigte man sich bei 16 Gulden für das Lot. Im Frühjahr 1775 wurde der Waschbetrieb wieder aufgenommen. Ob es dann eine Sache von Dauer war, erscheint kaum annehmbar.

Als im vorigen Jahrhundert die Ausbeute von Waschgold am Rhein immer geringer Wurde, tauchte die Frage nach maschinellen Gewinnungsmethoden auf. Immerhin konnte ein einzelner Goldwäscher am Tag ja lediglich vier Kubikmeter Sand bearbeiten. Besonderes Interesse daran zeigte die badische Regierung, erhoffte sie sich doch dadurch vermehrte Einnahmen. 1819 war das Jahr, in dem gleich zwei Maschinen für die Goldwäsche erfunden wurden.

Der Schweizer Büchsenmacher Johann Keller, der sich später als Abenteurer entpuppte, erfand eine Mühle zum Zerkleinern des Rheinsandes und zur gleichzeitigen Amalgamation. Doch trotz reicher Goldsande von Lörrach schlug ein Versuch fehl; Keller verschwand, die Maschine wurde 1820 verkauft. Ebenfalls 1819 konstruierte der Pforzheimer Juwelier Christoph Bechtler eine Waschmaschine. Nach dem Urteil des Goldwäscherei-Inspektors Knobloch entsprach sie aber keineswegs den Anforderungen: Sie war zu kompliziert, dauernd fielen Reparaturen an, zu allem Unglück schwemmte die Maschine sogar den wertvollen Sand samt Goldflitterchen fort. Am 12. März 1822 gab das badische Finanzministerium einen Erlaß bekannt, wonach der Erfinder einer brauchbaren Goldwaschmaschine eine Prämie von 50 bis 100 Dukaten erhalten sollte. Die Prämie wurde nie vergeben.

Als 1936 eine Neubelebung der Rheingoldgewinnung zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung und zur Stärkung des Devisenbestandes der Reichsbank gefordert wurde, faßte das Reichswirtschaftsministerium in Berlin den Entschluß, das Vorkommen am Oberrhein untersuchen zu lassen. 1937 wurden von der „Gesellschaft für praktische Lagerstättenforschung", kurz „Prakla", umfangreiche Bohrungen vorgenommen: Bei Goldscheuer, Helmlingen, Grauelsbaum, Illingen, Au am Rhein, Neuburgweier, Hagenbach, Linkenheim und Leimersheim wurden insgesamt 1053 Bohrungen in Tiefen bis 60 Meter abgeteuft. Außerdem wurden an 1372 Stellen Waschversuche unternommen.

Erfolgsversprechend waren die Versuche bei Illingen im Kreis Rastatt. Dort wurde im Frühjahr 1939 ein Schwimmbagger mit dem wohlklingenden Namen „Rheingold" eingesetzt. Pro Stunde förderte er 120 Kubikmeter Kies. Die Untersuchungen sollten aus dem Erlös von Kies und Sand bestritten werden, Gold sollte quasi als Nebenprodukt anfallen. Die Ausbeute war gering: Bis 1943 sollen 300 Gramm Gold gewaschen worden sein. Am 23. Juni 1943 wurde der Versuch aufgehoben, die Konzession erlosch 1950.

Einer der wenigen, die rein aus Spaß noch heute hin und wieder der Goldsuche im Rhein nachgehen, ist Franz Falkenstein. In den Sommermonaten, wenn der Wasserstand sehr niedrig ist, zieht es ihn mit Waschwanne, Eimer, Spaten und einer selbst gefertigten, einfachen Holzschleuse an eine einsame Stelle, um die winzig kleinen Plättchen des begehrten Metalls zu suchen. Daß der Zeitaufwand in keinem Verhältnis zum materiallen Erfolg steht, trübt das Abenteuer Goldsuche keineswegs. Über sein erstes Erlebnis beim Goldwaschen schrieb er: „Durch eine kreisende Bewegung wurde das leichtere Material mit dem Wasser herausgeschleudert, wobei das Wasser immer neu nachgefüllt werden mußte, bis nur noch ein schwarzes Konzentrat in der Pfanne liegen blieb. Nichts Aufregendes geschah, nur einer nach dem anderen verschwand und versuchte sein eigenes Glück. Bald hörte man den ersten Jubelschrei: Gold! Welch ein prickelndes Gefühl - ein alter Traum ist in Erfüllung gegangen! Alle kommen voller Neid dahergestürmt und wollen auch am Erfolg teilhaben. Was mag in diesem Moment mehr geglänzt haben, die Augen oder das Gold? Der Besitzer schaut stolz auf seinen Fund, als ob er den größten Klumpen gefunden hätte."

Der ganze Goldschatz bestand lediglich aus ein paar winzigen Flitterchen. - Franz Falkenstein kennt die Plätze, an denen er immer erfolgreich wäscht. Als besonders ergiebig bezeichnet er am Ober- und Hochrhein besonders jene Stellen, an denen man Gold kaum vermuten würde: an Schotterbänken. Solche hat er in der Nähe von Albbruck bei Waldshut und bei den Isteiner Schwellen im Markgräflerland (Landkreis Lörrach) entdeckt.

Museen und Ausstellungen

  • Museum für Völkerkunde, Basel/Schweiz;
  • Museum der Stadt Rastatt/Baden;
  • Historisches Museum der Pfalz, Speyer: Vollständig aufbewahrte Arbeitsgeräte des Goldwäschers J. Ganninger, der seinen Goldwaschberuf bis zu seinem Tod (1896) ausgeübt wurde;
  • Heimatmuseum Groß-Gerau: Holzschaufel aus Stockstadt, die beim letzten Goldwaschversuch 1830/35 gebraucht wurde.
  • Landesbergbaumuseum Baden-Württemberg, Stadt Sulzburg/Baden: Waschschleuse aus einem wissenschaftlichen Waschversuch sowie weitere Utensilien.

Eine Aufzeichnung der im Großherzogtum Baden und in der Münze Karlsruhe abgelieferten Goldmenge von 1748 bis 1874 ergibt laut den Akten des Großherzoglichen Badischen Finanzministeriums.

Doch das Gold zieht schon wieder die Menschen an die Rheinufer. Darunter sind auch Schüler der Friedrich-Ebert-Schule (Hauptschule) in Schopfheim im Wiesental. Innerhalb ihres Projektes “Mini-Fossie” wandeln sie seit den 80er Jahren nun schon auf den Spuren der badischen Goldwäscher und versuchen dabei natürlich auch, dem Strom das gelbe Metall zu entreißen. Zunächst beschäftigten sich die Schüler mit den mineralogischen und historischen Fakten der Goldwäschertradition am Rhein. Danach gingen sie
mit Schaufel, Waschbrett und Schüssel daran, die Spuren der alten badischen Goldwäscher erneut aufzufrischen. In Zusammenarbeit mit einem Geologen und einem Experten fürs Goldwaschen aus der Schweiz versuchten die jungen Digger, wie in alten Zeiten Gold zu schürfen. Mit Pickel, Schaufel, Siebkästen und Waschbrett sowie jede Menge Geduld gelang es ihnen schon beim ersten Versuch, mehr als 160 Goldflitterchen herauszuwaschen. Alle Teilnehmer waren von diesem Projekt, das neben interessanten historischen Erkenntnissen auch Spannung und Abenteuer bot, restlos begeistert. Und schließlich konnten sie auch das Gefühl nachempfinden, das alle Goldsucher und Glücksritter, egal ob am Klondike oder am Altrhein, einmal packte und kaum wieder losließ: das Goldfieber.

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