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Goldsuche in der Sächsischen Schweiz

Goldsuche in der Sächsischen Schweiz

Geduld ist eine Tugend. Für Dietrich Thomschke ist es die größte. Mehr als hundert Stunden hat er schon am Wasser gestanden, ohne sie zu verlieren – denn er hofft, etwas noch wertvolleres zu finden: Gold.

Thomschke lebt nicht im amerikanischen Klondike, sondern im kleinen Oberottendorf bei Sebnitz. Dort fließt die Lohe, sein Goldflüsschen. Besser gesagt, sie plätschert – ein kleines Rinnsal, mit dem Thomschke noch Großes vorhat. Er sieht einen Gold-Boom kommen und ist selbst Wegbereiter. „Ich habe bis jetzt zwei Gramm gefunden“, sagt er stolz. Wert: rund 20 Euro. Mit Gummistiefeln, Eimer, Spaten und einer speziellen Waschschüssel zieht Thomschke los; dann schöpft er etwas Wasser und hängt ein Sieb hinein. Die Goldkörnchen liegen nie obenauf, sie verstecken sich im lehmigen Untergrund. „Für jedes Gramm muss man 20 Zentner Erde bewegen“, hat der Hobby-Sucher selbst erfahren.

Gewiss, die Ausbeute sei gering. Doch die Historie bewegt Thomschke, der im Hauptberuf bei einem Party-Service backt und kocht. „Schon im 15. Jahrhundert gab es hier Goldsucher“, hat er in vergilbten Büchern gelesen. Flurnamen wie Goldgrund, Goldäcker und Seifenweg zeugen vom Auswaschen des Edelmetalls.

Wie viel Gold noch im Oberottendorfer Boden liegt, vermag Thomschke nicht zu sagen. Doch eine Attraktion für die Gegend ist es allemal, und Pionier Thomschke möchte die Touristen daran teilhaben lassen. Ein Goldmuseum im Bahnhof Oberottendorf ist im Gespräch, auch einen Lehrpfad an der Lohe soll es geben. „Es muss natürlich ein schonender Tourismus sein, der Umweltschutz hat Priorität“, will Thomschke Öko-Bedenken entkräften. Damit alles in geregelten Bahnen läuft, hat er den „Bergbau-Traditionsverein Hohwald“ gegründet.

„Es werden keine Claims abgesteckt“, sagt er – und enttäuscht damit vielleicht so manchen, der davon träumt, nach dem Urlaub in Oberottendorf ein gemachter Mann zu sein. Die meisten Waldstücke seien ohnehin bereits in privater Hand. Die Eigentümer, die Gemeinde und auch die Forstverwaltung seien jedoch Feuer und Flamme für seine Idee, versichert Thomschke.

Das einzig Unsichere ist nur der Erfolg. Nicht jedes Mal bleiben ein paar Goldkörnchen im Sieb. Und gemessen am Aufwand ist der Stundenlohn ohnehin gering – 20 Cent.

Text Christian Spahr & Bild Dirk Zschiedrich, 10. September 2003