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Goldsuche & Goldwaschen Bulgarien

Koljo (rechts) und sein Freund beim Reinigen der Sluice

Eine Woche auf Goldsuche in Bulgarien

Im Jahr 1995 absolvierte ich (Andreas Koch) im Rahmen meines Geologiestudiums ein mehrmonatiges Praktikum in den Bergwerken der damaligen GORUBSO AD in Zlatograd, Madan und Rudozem (Grenzgebiet Bulgarien - Griechenland). Damals lernte ich neben den örtlichen Hydro- und Ingenieurgeologen auch eine Gruppe von Rohstoffgeologen aus Sofia kennen, mit denen ich in der Umgebung der vorgenannten Städte Erzausbisse kartierte.

Koljo kippt das Schwermineralkonzentrat der Matten in sein Walnussholzbrett, dass als Waschpfanne dient

Blick auf die Alexander-Nevski-Kathedrale in Sofia

Im Rahmen einer dieser Explorationstouren besuchten wir auch Koljo, einen freien Mitarbeiter der Sofioter Gruppe, der an einem Bach in den Nordrhodopen lebt und in den arbeitsfreien Zeiten durch Goldwaschen ein Zubrot erwarb.

Spontan blieb ich damals für einige Tage bei Koljo und verbesserte hierdurch meine bereits früher in den Alpen erworbenen Kenntnisse über die klassische händische Goldgewinnung. Ich erinnere mich gerne an diese Tage, denn nur selten habe ich eine so herzliche Gastfreundschaft erlebt wie bei ihm.

Nur wenig später konnte ich dann die erworbenen Kenntnisse im Rahmen meiner Diplomarbeit über zwei Goldvorkommen im Bayerischen Wald bestens nutzen (vgl. z. B. Geologica Bavarica 102, 1997). Leider führte mich mein Weg dann viele Jahre nicht mehr in die Rhodopen.

Erst 2008 verbrachte ich mit meinen Kindern einen Urlaub an der bulgarischen Schwarzmeerküste und entschied mich spontan für einen Abstecher zu Koljo, der inzwischen ausschließlich von der Goldwäscherei lebt. Meine Kinder und ich hatten mit diesem Abstecher eine Menge Spaß.

Eine Woche Urlaub

Angeregt durch den kurzen Besuch im Jahr 2008 wuchs der Wunsch nach einem „Goldwaschurlaub“ immer weiter. Im Mai 2010 war es so weit. Ein überschüssiger Urlaub eines Vorjahres musste eh weg. Also Billigflug nach Sofia gebucht und dort einen Mietwagen und der einwöchigen Erholung (wenngleich es nicht jeder so bezeichnen würde) stand nichts mehr im Wege.

Zunächst führte mich mein Weg zu einigen kurzen Probewaschungen an Stellen im Sredna Gora (Gebirgszug zwischen Balkan und Rhodopen), die ich schon bei meinem Praktikum besucht hatte. Wie schon damals bieten diese Plätze schöne Fundmöglichkeiten von Goldflinserl bei geringem Aufwand.

Blick auf ein altes Grübenfeld (vermutlich thrakisch, neuzeitlich stark überprägt) im Sredna Gora-Gebirge am frühen Morgen

Ganz in der Nähe befindet sich das Gold- und Kupferbergwerk Chelopech, eines der größten Europas. Betrieben wird es von der Chelopech Mining EAD, einer Tochter der kanadischen Dundee Precious Metals. Das leider stark arsenhaltige Erz (Typ: high sulphidation epithermal Cu-Au im Zusammenhang mit porphyry-style hydrothermal systems) wird zwischenzeitlich nach Namibia zur Aufarbeitung geschickt. In der nördlichen Umgebung befinden sich weitere Cu-Au-Bergwerke, die allerdings klar dem porphyry-copper-Typ zuzuordnen sind (z. B. Elatsite).

Blick auf die Betriebsanlagen der Chelopech Mining EAD, im Hintergrund der Balkan

Im Verwaltungsgebäude gibt es ein „Informationszentrum“ des Bergwerks mit Ausstellung von Erzen, Literatur zur Geologie und Aufbereitung und sowie einen kostenlosen Kaffee...
Über die herrliche Siedlung Koprivshtitsa mit ihren einzigartigen Häusern führte mich mein Weg weiter zu einem der zahlreichen Grabhügel in der Region. Der Besuchte nennt sich Zhaba Mogila (Froschhügel), liegt einige Kilometer südöstlich von Strelcha und weist eine Höhe von geschätzt 20 bis 25 Meter auf. Durch einen kleinen, aus ingenieurgeologischer Sicht allerdings höchst bedenklichen Zugang, war sogar das Innere zu besichtigen. Schon gewaltig, was man vor etwa 2500 Jahren so errichtete...

Bulgarische Häuser in Koprivshtitsa

„Froschhügel“ mit unterirdischer Tempelanlage bei Strelcha

Ingenieurgeologisch höchst bedenklicher Zugang in den Hügel, auf der anderen Seite gibt es einen Offiziellen, der jedoch bei meinem Besuch am Morgen noch geschlossen war

Nach diesem Ausflug in die Historie ging es wieder zurück in die Neuzeit. Der Tagbau Radka (Mina Radka) zwischen Svoboda und Popintsi ist ein Beispiel eines nur unzureichend rekultivierten Tagebaus. Die Bäume im Vordergrund leiden wohl an den auch hier hohen Arsengehalten des ehemalig abgebauten Erzes (Typ: epithermal Kupfer, Zinn und Gold). Die Mine Elshitsa ein paar Kilometer weiter ist noch in Betrieb, wenngleich es mir eher so ausschaute, als ob im wesentlichen „Abwicklung“ betrieben wird. Der Erztyp ist mit dem in der Mina Radka ident.

Aufgegebener Tagebau „Mina Radka“ zwischen Svoboda und Popintsi

Ortschild zur Siedlung Elshitsa mit Tagebau im Hintergrund

Am späten Abend ging's dann in die Rhodopen zu Koljo. Der Empfang war herzlich und sogar ein Bett im neuen kleinen Haus seines Sohnes (mit Schwiegertochter und Enkelin) stand bereit, so dass die mitgebrachte Campingausrüstung im Wagen bleiben konnte.
Nach einem Spaziergang durch die herrliche Natur standen die nächsten Tage im Zeichen des Goldwaschens. Koljo verwendet normalerweise die klassische Methode mit Voranreicherung durch eine selbstgebaute Sluice. In den letzten Monaten hilft ihm (er wird nicht jünger) immer wieder ein Freund aus dem Nachbardorf, wobei der Gewinn dann geteilt wird.

Die selbstgebaute Sluice besteht aus einem Stahlrahmen mit eingelegten Autofußmatten. Das darüberbefindliche Blech dient als Sieb, so dass der Bachschotter nicht vorgesiebt werden muss. Die Wasserzufuhr erfolgt über einen Schlauch, der etwa 40 m oberhalb im Bach befestigt wird.

Auswaschen des Schwermineralkonzentrates in eine Wanne, im Hintergrund ist der Sluiceschlauch erkennbar

Das Ergebnis einer zweistündigen Waschaktion zu dritt auf dem Walnussbrett

...und hier in einer klassischen Goldwaschpfanne...

...mit einem Kleinnugget

Danach ging's wieder von vorne los

Mit Maschinenunterstützung

Gelegentlich benutzt Koljo auch Maschinenunterstützung. Alles, bis auf die Pumpe, selbstgebaut...

Das Equipment lagert bei seinem etwas in die Jahre gekommenen Wohnwagen...

...der Claim ist zwar bereits bevölkert...

...aber der Zusammenbau erfolgt störungsfrei...

...wiederum werden Autofussmatten verwendet...

...das Pferd im Hintergrund gehört Koljo's Sohn...

...nun ist die Maschinensluice fast fertig...

...und es kann losgehen...

...mit einer Probesaugung durch den Chef persönlich...

...und der Autor darf auch ran.

Die Umgebung

Neben dem Goldwaschen auf dem Claim von Koljo, machte ich noch zwei Ausflüge in die Umgebung.

Zlatograd

Die alte, bereits von den Thrakern bewohnte Stadt hat zum Jahreswechsel 2009-2010 einen Grenzübergang nach Griechenland bekommen und ist daher gerade so richtig am Aufblühen. Nur zum Goldwaschen eignet sich die nähere Umgebung nicht – den es gibt trotz des Namens Zlatograd = Goldstadt, kein nennenswertes Vorkommen.

Blick auf die historische Brücke am Westende von Zlatograd

Perperikon

Die erst vor wenigen Jahren entdeckte Tempelanlage von Perperikon nordöstlich von Kardzhali ist inzwischen ein Tourismusmagnet geworden, so dass man dort auch Westeuropäer außerhalb der Hauptferienzeit trifft. Auf jeden Fall einen Besuch wert (vgl. z. B. http://de.wikipedia.org/wiki/Perperikon).

Danke, Koljo, für diese interessante Woche !
Dipl.-Geol. (Univ.) Andreas Koch
geokoch@web.de

Ausgrabungen von Perperikon mit Blick nach Norden

Goldvorkommen in Bulgarien
Gefundene Kreuzhacken (Werkzeuge) lassen darauf schließen, da schon in der Antike bei Arcar (bei Vidin), Bucovec (bei Sofia) und Trembes (bei Gorna) Gold geschürft wurde. Ebenso wurde in den Flüssen Isker, Arda, Strymon, Nestos und Maritza das gleißendes Metall gewaschen. Seit dem Altertum bis bis ins 20. Jahrhundert wurde das Goldbergwerk Zlata bei Trn in Westbulgarien betrieben. Von 1935 bis 1942 wurde es von einer britischen Bergwerksgesellschaft geführt, wurde aber dann vom bulgarischen Staat übernommen.