Goldschrott

Gold aus Abfall

Sorgfältige Analysen von Müll in den Vereinigten Staaten brachten das sensationelle Ergebnis, daß großstädtischer Abfall mehr Gold enthält als im allgemeinen jene Erze, aus denen man Gold gewinnt. Der Grund: Im heutigen Zeitalter des kurzlebigen Massenkonsums wird buchstäblich alles fortgeworfen wird. Und viele Artikel sind mit einer, wenn auch hauchdünnen, Goldschicht überzogen. Gerade an Weihnachten regnet es förmlich von Goldstaub. Ob sich allerdings eine industrielle Verwertung als rentabel erweisen wird, bleibt dahingestellt. Immerhin ist allmählich ein großer Kreis der Bevölkerung auf das Problem aufmerksam geworden und sieht es als lohnenswert an, sich mit der Rückgewinnung von Edelmetallen zu beschäftigen.

Computergold

Im Zeitalter des Computers haben findige Goldsammler damit aufgehört, in den Flüssen und Bächen nach dem gleißenden Metall zu schürfen. Stattdessen haben sie die elektronischen Bausteine als Goldquellen entdeckt. Wie zum Beispiel Bob Kaiser. Der frühere Dachdecker und Hobbyschürfer sammelte sich zum Schrottmillionär empor, schrieb Mitte 1997 das deutschen Computermagazin “Konrad”: Heute kauft er ausgediente Computer auf und schmelzt sie ein, um Gold, Platin oder Kupfer zu gewinnen – eine Valley-Karriere. Bob ist ein reicher Mann geworden am Ende des Ökosystems. Er sagt: Auf den Müllhalden liegt mehr Gold als in den Hügeln Kaliforniens.”
Elektronik-Bauteile

Einem Fotografen präsentiert er stolz eine Goldwäscherschüssel, in der etwa zwei Handvoll Elektronik-Bauteile liegen: Transistoren, Chips und Steckkontakte en masse – alles lediglich Computerschrott in den Augen normaler Menschen. “Das hier ist Gold für mindestens 500 Mark!” grinste Bob Kaiser den Fotografen an.

Gold-Schrotthändler

Früher war er stets in den Bächen Kaliforniens unterwegs, oft nur von seiner Pfanne begleitet. Bis ihm dann ein Freund anvertraute: “Weißt du, in den Computern hier im Silicon Valley ist auch Gold!” Jeder Kontakt eines Transistors, jedes Beinchen an einem Chip ist mit einer dünnen Schicht des gelben Metalls überzogen, weil kein Rost die elektrischen Verbindungen stören darf. Bob Kaiser überlegte sich das alles sehr genau. Heute hat er seine eigene Goldader gefunden – auch wenn er seinen Reichtum aus Steuergründen nicht gerne zugibt. Inzwischen arbeiten längst andere für den findigen Schrotthändler. Auf seinem Schrottgelände zerlegen Einwanderer aus dem nahen Mexiko gegen Billiglohn die Rechner. Intakte Chips werden verkauft; Monitore und andere Großgeräte gehen containerweise zur Restevertung nach China. “Das bringt acht Cent pro Pfund.” Platinen und Minibauteile werden eingeschmolzen, um Gold und andere Edelmetalle zu gewinnen.