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Goldsuche in Ozeanien

Goldsuche in Ozeanien

Sie sind die Oasen in den stockdunkeln Tiefen der Weltmeere. In ihnen - den siedend heissen vulkanischen Unterwasserquellen - tummeln sich Krabben ohne Augen, riesige Röhrenwürmer, bleiche Seeanemonen und andere bizarre Kreaturen. Und das in einer Vielfalt, dass die nassen Paradiese durchaus mit dem Chaos eines Regenwalds konkurrieren können. Entdeckt wurden die rätselhaften Biotope erst vor zwei Jahrzehnten. Seither glauben immer mehr Tiefseeforscher: In den für das menschliche Empfinden unwirtlichen Lebensräumen könnte das Leben auf der Erde seinen Ursprung haben. Denn die in den letzten Jahrzehnten entdeckten Viecher sind alt - uralt.

Doch jetzt droht den einzigartigen Ökosystemen Gefahr. Die schwarzen Raucher - so nennen Fachleute die heissen Quellen - sind nämlich nicht nur reich an Lebensformen, sondern auch an Mineralien wie Kupfer, Silber oder Gold. Und diese haben inzwischen auch kommerzielle Interessen geweckt. Firmen, die die Rohstoffe ausbeuten wollen, haben es auf die bislang weitgehend unberührten Unterwasserschlote abgesehen: Sie wittern ein Milliardengeschäft.

Die Gold-, Silber- und Kupferablagerungen entstehen, wenn die Unterwasservulkane unter grossem Druck mineralienreiche Flüssigkeit aus dem Erdinnern ausspeien. Bis zu 350 Grad heiss ist dieser Strom bei seinem Austritt. Kommt er mit dem kalten Meerwasser in Kontakt, werden die gelösten Metalle zu mineralischen Partikeln, die sich auf den Wänden der schwarzen Raucher ablagern. Dabei bilden sie so bizarre Formen, die Tiefseeforscher dazu verleiteten, ihnen Namen wie "Satanische Mühlen", "Römische Ruinen" oder "Schneekappen" zu verpassen.

Zwar haben die Unterwasserschätze die Phantasie von Rohstoffschürfern schon lange beflügelt. Bislang wurden aber in der Tiefsee noch keine Edelmetallvorkommen abgebaut. Vor allem weil es äusserst mühsam ist, die Felsbrocken aus einer Tiefe von zwei Kilometern und mehr an die Oberfläche zu hieven. Damit scheint es jetzt vorbei zu sein: Erstmals hat eine Bergbaufirma kommerziellen Anspruch auf das Tiefseegold angemeldet.

Bei der Firma handelt es sich um die Nautilus Minerals Corp., die von zwei australischen Geschäftsleuten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Regierung Australiens gegründet wurde. Im November erhielt Nautilus die Genehmigung zur Ausbeutung eines Gebiets von 5000 Quadratkilometern vor der Küste Papua-Neuguineas. Nautilus will dort in einer Testphase während der nächsten zwei Jahre 10 000 Tonnen Material bergen und analysieren.

Die Tiefseemineure von Nautilus sind zuversichtlich. In ersten Untersuchungen der vulkanischen Erze fanden sie bis zu 26 Prozent Zink, 15 Prozent Kupfer, 200 Gramm Silber und 30 Gramm Gold pro Tonne. "Wenn man solche Ablagerungen an Land finden würde, wäre dies ein Schürferparadies", sagt Ray Binns von der australischen Wissenschaftsbehörde im Februar 1999. Sollten sich in der Testphase die riesigen Metallvorkommen bestätigen, will Nautilus innerhalb von fünf Jahren mit dem kommerziellen Abbau des Vulkangesteins beginnen.

Doch nicht nur in Australien, auch in anderen Ländern rüstet man sich für den Kampf um die besten Unterwasserminen. Besonders aktiv sind in dieser Beziehung die Asiaten: Japan, Südkorea, China und Indien - alles Länder mit relativ wenig Bodenschätzen - investieren stark in die Tiefseeforschung. Mit neu entwickelten Technologien wollen sie die Bodenschätze besser lokalisieren und bergen können.

Das forsche Vorgehen der Mineralienabbauer wird von Umweltschützern heftig kritisiert. Sie wehren sich mit aller Macht gegen eine Ausbeutung der schwarzen Raucher am Meeresgrund. Nur: Die von Nautilus erworbenen Abbauareale liegen auf dem Territorium von Papua-Neuguinea und sind daher von einer internationalen Kontrolle ausgenommen.

Umweltschützer und besorgte Meeresbiologen fordern deshalb ein internationales Abkommen, das den Abbau der Unterwasservulkane verbietet oder zumindest stark einschränkt. "Dass die Firmen irgendwann loslegen mit dem Abbau, damit musste man rechnen", sagt die Meeresbiologin und Tiefseeforscherin Sylvia Earle. "Nun ist es soweit." Earle fordert daher, dass der grösste Teil der jetzt Nautilus zugesprochenen Abbaufläche vor Papua-Neuguinea der Ausbeutung für immer entzogen wird.

In die gleiche Richtung zielen auch Anstrengungen internationaler Umweltschutzorganisationen wie der World Conservation Union. Sie fordern, die unersetzbaren Tiefseeschätze für die Nachwelt zu erhalten. Dazu soll in grossen Gebieten jeglicher Abbau von Bodenschätzen, die Fischerei sowie die Errichtung von Bauten verboten werden. Hingegen sollen Menschen, die die vulkanischen Ökosysteme nur bewundern wollen, weiterhin in den Tiefen der Ozeane willkommen sein.

Noch ist offen, wie das Seilziehen zwischen den industriellen Interessen der Konzerne und Staaten auf der einen und den Umweltschützern auf der andern Seite ausgehen wird. Für die Wissenschaft - soviel steht aber schon fest - wäre das Verschwinden der Biotope ein unwiderbringlicher Verlust. "Das sind sehr delikate Ökosysteme mit einem interessanten genetischen Reservoir, jedes von ihnen für unser Verständnis der Entstehung des Lebens unersetzlich", sagt der Meeresgeologe Peter Rona von der Rutgers University in New Jersey. Vor über vier Milliarden Jahren, unter anderem wegen der Abschirmung gegen gefährliche UV-Strahlung, herrschten hier gute Bedingungen für die Entstehung von Leben - und herrschen bis heute. Direkte Abkömmlinge dieser Urformen von Leben, die sogenannten Archäbakterien, hausen heute noch in den heissen Schloten. Einige von ihnen sind so hitzeresistent, dass sie am besten bei Temperaturen von über 110 Grad gedeihen. "80 Grad ist für die zu kalt zum Waschen", sagt der Mikrobiologe Karl Stettler von der Universität Regensburg.