Bad Bellingen 2

Goldwaschplatz beim Rheinkilometer 191

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Die riesige Geröllbank ein kurzes Stück flussabwärts von Bad Bellingen auf Höhe Rheinkilometer 191 hat es in sich. Nicht nur, dass der schmale Pfad den Rheindamm hinunter zum Ufer durch eine üppige Vegetation mit mannshohem Gestrüpp und durch einen dichten Weidenwald führt.

Spätestens bei Erreichen des Rheinufers wird klar: Die Geröllbank heißt so, was sie ist: Geröll, wohin man schaut, bestehend aus großen Kieselsteinen. Dazwischen Grasbüschel, die auf rätselhafte Weise auf dem steinigen Grund Halt gefunden haben. Von Sandanhäufungen keine Spur.

Hier also wollte ich Gold waschen. Mit dabei hatte ich eine Schaufel, eine kurze Goldwaschrinne sowie zwei nagelneue Garrett-Goldwaschpfannen und ein Sieb vom selben Hersteller. Die Suche nach einer geeigneten Schürfstelle dauerte mindestens ebenso lange wie die Durchquerung des dschungelartigen Rheinwaldes. Überall nur Steine, Steine, Steine. Probeweise versuchte ich an mehreren Stellen, die oberste Schicht abzugraben in der Hoffnung, darunter könnte sich eine verdichtete Sandschicht finden. Ohne Erfolg.

Lust auf Goldwaschen am Rhein? Hier sind die nächsten Goldwaschtermine!

So entschied ich mich, am obersten Teil der Geröllbank die Goldwaschrinne in die Strömung zu setzen, baute aus Kieselsteinen einen Damm und fing an, eine Schaufelladung nach der anderen ins Sieb zu werfen. Nach dem Aussieben fielen allenfalls kleine Kieselsteine in die darunter liegende Pfanne; die Sandkörner hätte man einzeln zählen können. Nur gelegentlich haftete eine lehmige Schicht an den Steinen. Fein säuberlich wurde sie abgewaschen. Vielleicht haftete hier etwas Gold an.

Nach mehreren Stunden schaffte ich es, ein Loch von etwa einem halben Meter Tiefe auszugraben und die ausgesiebten Steine zu einem beachtlichen Damm aufzuschichten. Die Überraschung bot sich beim Auswaschen der Rinne. Zwar war auf der oberen schwarzen Matte kein einziges Goldstückchen zu entdecken, doch die dahinter liegende, grobe Matte hatte etliche Sandpartikel eingefangen. Vorsichtig wurde sie in der neuen Goldwaschpfanne ausgeklopft.

Garrett-Pfanne: Etliche kleine und kleinste Flitter sowie Stücke von bis zu einem Millimeter Durchmesser glänzten im Sonnenlicht. Unter der Pfanne hatte ich sicherheitshalber eine zweite gelegt. Darin sollte sich von der ersten Pfanne hinaus geschwapptes Gold fangen. In der unteren fand sich kein weiteres Goldstückchen; ein gutes Zeichen, denn nun hatte ich den Beweis, dass die obere Pfanne einwandfrei arbeitet.

Stundenlang Steine buddeln strengt gehörig an. So nutzte ich eine Pause dazu, die Geröllbank auf ihrer ganzen Länge zu erkunden. Zwischen den Grasinseln verbargen sich zahlreiche Tümpel. Auf halber Strecke tauchte im Fluss sogar eine mächtige, flache Felsformation auf: Nagelfluh! Auf diesem betonähnlichen Untergrund war an ein Graben überhaupt nicht zu denken.

Das unterste Ende der Geröllbank fällt steil ins Flussbett ab; das Ufer ist teilweise verschlammt. Die erhoffte Sand- und Lehmschicht war auch hier nicht auszumachen. Also ging’s schnurstraks wieder zurück an die ursprüngliche Grabungsstelle am oberen Ende der Geröllbank, wo ich einen weiteren Grabungsversuch startete. Das Ergebnis: wieder jede Menge Steine, kaum Sand, trotzdem fanden sich Rheingoldflitter. Wie diese zwischen die Steine gerieten, war mir schleierhaft, zumal ich auch hier keine mächtige Trägerschicht wie Lehm oder feine Sande ausmachen konnte.

Wer die Geröllbank einmal genauer inspizieren will, sollte vor allem eines mitbringen: Energie und viel Geduld. Das pausenlose Steineschaufeln hinterlässt deutliche Spuren; ein kräftiger Muskelkater ist die Folge. Und dennoch: Gold ist da.

Was sonst noch geschah: Einmal davon abgesehen, dass während der Goldsuche meine Kamera mehrmals mitsamt Stativ ins Wasser plumpste, weil der Untergrund nicht besonders standfest war (ein Glück, meine Kamera ist stoßfest und wasserdicht). Bei einem dieser Umfallattacken zerbrach auch noch ein Bein des Stativs. In der Folge war es nicht mehr zu gebrauchen. Aufgefallen sind mir hier ebenso auffällig nervende Insekten. Es empfiehlt sich, Autan mitzunehmen. Wegen der hohen Vegetation zwischen Geröllbank und Rheindamm dürften sich nur selten Badende oder andere Besucher hierher verirren, einmal von den Bootsfahrern abgesehen.

Die Geröllbank ist leicht zu finden: Am nördlichen Ende von Bad Bellingen bei der Spielothek abbiegen, die Autobahn unterqueren und bis zum Parkplatz bei der im Rheinwald liegenden Kläranlage fahren. Von dort zu Fuß über den Rheindamm flussabwärts nur noch wenige 100 Meter bis zur Markierung „191“. Dort ist im Damm eine Steintreppe eingelassen. Sie führt allerdings nur ein kurzes Stück hinunter. Den Rest über Steinquader bis zum Pfad hinunter. Aber aufgepasst: Der Pfad wird offenbar sehr selten begangen. Die Vegetation ist hoch und dicht. Auf der Geröllbank angelangt, unbedingt den Aus- beziehungsweise Einstieg durch den Weidenwald merken. Am besten eine Markierung setzen. Ansonsten könnte man vor einem Brombeerheckenwald stehen.