Kleinkems 2

Goldwaschen bei Niedrigwasser

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So wenig Wasser führte der Rhein seit langem nicht mehr. Wochenlang hatte es nicht mehr geregnet. Das hatte Folgen: Selbst im Altrhein lagen Kiesbänke frei, die selbst bei einem Normalwasserstand verborgen sind. Das war eine willkommene Gelegenheit, einmal dort nach Gold zu suchen, wo es ansonsten kaum möglich ist. Eine geeignete Waschstelle hatte ich südlich von Kleinkems (Landkreis Lörrach) ausgemacht.

Lediglich das Wetter spielte nicht so mit, wie ich es mir gewünscht hatte: Während oben im Schwarzwald kein noch so kleines Wölkchen den blauen Sonnenhimmel trübte, herrschte am Oberrhein Nebel. Am Rhein angekommen, war er zeitweise so dicht, dass das gegenüberliegende elsässische Ufer hinter einer weißen Wand verschwand. Außerdem lag die Lufttemperatur bei gerade mal drei Grad und stieg im Laufe des Tages kaum höher. Doch das sollte kein Grund sein, die Spur nach dem gelben Metall aufzunehmen.

Lust auf Goldwaschen am Rhein? Hier sind die nächsten Goldwaschtermine!

Bereits einige Tage zuvor hatte ich die Waschstelle erkundet und auch ein Probewaschen vorgenommen. Jetzt wollte ich es wissen: Hatte ich gar die Goldlinie getroffen? Diesen Eindruck hatte ich Tage zuvor, als sich schon innerhalb kürzester Zeit etliche Goldflitter fanden, einige mit einem Durchmesser von bis zu zwei Millimeter. Bei der Ankunft zeigte sich das Rheinufer nun von einer ganz unheimlichen Seite: nirgends eine Menschenseele, nur ein Schwanenpaar versteckte ich in einer kleinen Bucht, selbst die Weiden und Gräser waren in einiger Entfernung nur noch schemenhaft zu erkennen. Das Licht war gedämpft und ließ ein früheres Hereinbrechen der Nacht erahnen, sollte ich noch bis zur Dämmerung bleiben.

Die Bavaria-Goldwaschrinne lag bald in der Strömung. Sicherheitshalber teste ich die Stelle nochmals, indem ein oder zwei Schaufelladungen durchgesiebt und die feinen Sande mittels Goldwaschpfanne ausgewaschen wurden. Und tatsächlich, das erste Flitterchen tauchte auf dem Pfannenboden auf. Damit war das Signal gegeben, sofort mit einer intensiven Goldwäsche zu beginnen.

Von den guten Ergebnissen angespornt, grub ich nicht an derselben Stelle wie voriges Mal, sondern ein bis zwei Meter daneben ein weiteres Loch. Zwei große Felsblöcke, unter Goldsuchern gerne auch als Goldfallen gedeutet, versprachen eine reiche Beute, zumal sich in ihrem Umkreis auch gepresster Lehm fand. Das Material rund um die großen Gesteinsbrocken wurde abgegraben, in das große Sieb geschaufelt, das wiederum in einem noch größeren Eimer stand, und ausgesiebt. Die so gewonnenen Sande kamen in die Goldwaschrinne. Diesen Vorgang wiederholte ich mehrmals, spülte immer mal wieder das zurückgebliebene Konzentrat in eine bereitgehaltene Pfanne und setzte das Schaufeln solange fort, bis das geschwächte Tageslicht den nahen Abend erahnen ließ. Natürlich wurden hin und wieder kleinere Verschnaufpausen eingelegt.

  • Der Goldwaschplatz. Der Goldwaschplatz liegt südlich von Kleinkems. Du erreichst die Geröllbank, indem Du zum Isteiner Klotz (Istein, Gemeinde Efringen-Kirchen) fährst, doch beim Fußballplatz auf der schmalen Straße Richtung Rhein fährst. Auf dem kleinen Parkplatz gleich nach Unterquerung der Autobahn das Fahrzeug abstellen. Wertsachen mitnehmen! Folge den Fußweg zum Rheindamm, dann rechts halten und etwa zwei Kilometer flussabwärts laufen. Gegenüber einer alten Schiffsmarkierung führt ein schmaler Pfad hinunter durch den Rheinwald und direkt auf die Geröllbank.

In der Zwischenzeit lagen die Felsblöcke frei, wurden zur Seite gerollt und auch der Schlick darunter nach schweren Mineralien überprüft. Abschließend ging’s an die Feinarbeit, nämlich das vorsichtige Auswaschen allen Konzentrates. Wie erwartet glänzten im fahlen Licht schon bald die ersten Goldflitter. Doch die Menge, die ich mir angesichts der Schufterei versprochen hatte, war es nicht. Vielmehr entsprach die Anzahl der Goldstückchen eher einem zwar erfolgreichen, aber eher durchschnittlichen Arbeitstag. Keine Frage, auch das ersehnte Goldkorn oder gar ein Nugget waren nicht darunter. Die größten Goldflitter hatten einen Durchmesser von vielleicht gerade mal einen Millimeter.

Mit der zunehmenden Dämmerung und nachdem das Werkzeug wieder zusammengepackt war, inspizierte ich noch die Geröllbank auf ihrer ganzen Länge. Und siehe da, überall fanden sich Spuren anderer Goldsucher. Offenbar hatten auch andere Rheindigger denselben Gedanken. Die meisten Löcher fielen allerdings bereits in sich zusammen und waren alles andere als frisch. Eine Schürfstelle jedoch meine Aufmerksamkeit ganz stark auf sich. Sie lag oberhalb der Wasserkante und wies einen Durchmesser von über zwei Metern auf. Wer hier gegraben hatte, musste das ausgesiebte Material über die Schotterbank ein großes Stück zur Strömung getragen haben. Um nicht gänzlich im Dunkeln zu stehen, war eine intensivere Untersuchung leider nicht mehr möglich.

Auf dem Rheindammweg wieder angekommen, traf ich noch auf einen Jäger. Er berichtete, immer wieder schaue er hier sowie bei Istein Goldsuchern bei der Arbeit zu. Gerade vor einigen Tagen seien etliche „auf einmal“ dagewesen. Wie viel sie gefunden hätten, mochte er nicht beurteilen. Laut den Autokennzeichen auf dem etwa zwei Kilometer entfernten Waldparkplatz seien sie „von weither angereist“.

Noch eine kleine Anmerkung: Die Goldsuche hatte mich derart eingenommen, dass ich diesmal nur wenige Bilder machen konnte. Aber auch die extrem schlechte Sicht waren nicht gerade fürs Fotografieren geeignet. Die wenigen Bilder seht Ihr oben. Dennoch habe ich mir die Zeit genommen, nebenher ein Video aufzunehmen. Meine Goldausbeute konnte ich wegen der fortgeschrittenen Dämmerung leider nicht fotografieren. Im Zwielicht wechselte die Goldfarbe ins Silberne. – Bei Gelegenheit will ich auf derselben Geröllbank die Goldsuche wiederholen, hoffentlich bei sonnigem Wetter. Dann folgen neue Bilder.