Wintergoldsuche

Brrr! Goldwaschen bei -4 Grad Celsius

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Die Silvesterraketen waren kaum verschossen und noch immer lagen deren Überbleibsel an den Straßenrändern, da machten sich Goldsucher Andreas aus Oberried bei Freiburg und ich auf, um das neue Jahr mit der ersten Goldwäsche zu begrüßen. Das Erlebnis konnte nicht gegensätzlicher sein: Obwohl das Thermometer um die Mittagszeit gerade mal minus 4 Grad Celsius anzeigte, musste niemand von uns frieren. Kein Wunder, denn allein ich hatte unter meinem Ganzkörperanzug eine Thermohose und einen dicken Pullover, darüber schälte ich mich noch in einen Winter-Anorak. Der mehrlagige Textilschutz hatte allerdings auch seinen Preis, denn das Schaufeln und alle weiteren Bewegungen waren nur in Zeitlupe zu meistern.

Für die Wintergoldsuche hatten wir die elsässische Rheinseite ausgesucht. Der Rheinpegel bei Kembs war weiter gefallen; die Kältewelle in den Quellgebieten hielt das Wasser zurück.

  • Nanu, was lag denn da in einem halben Meter Tiefe? Beim Wintergoldwaschen am Rheinufer bei Kembs tauchte plötzlich eine verrostete Pfanne auf. Ob irgendwann einmal ein Goldsucher die Goldwaschpfanne verlor oder ob es sich vielleicht doch um eine Bratpfanne handelte, die einem Koch (oder einer Köchin) gehörte, konnte vor Ort nicht geklärt werden.

Aber auch die ungewöhnlich großen Geröllbänke am Rheinufer ließen keinen Zweifel, dass tiefster Winter herrschte: Vom Parkplatz über den schmalen Pfad zum Rheinufer bis auf die Geröllbänke – alle Pfützen und Löcher, die andere Goldwäscher am Ufer gegraben hatten, waren mit einer mächtigen, glasigen Eisschicht überzogen.

An ein Graben direkt am Ufer war also gar nicht zu denken. So entschieden wir uns, direkt im Fluss zu graben. Bei einer Wassertiefe von nur wenigen Zentimetern bereitete lediglich die verminderte Fließgeschwindigkeit einges Kopfzerbrechen. Bald aber hatten wir eine Barriere gebaut; in den Durchlauf wurden die Schleusen gelegt.

Das Wintergoldwaschen sollte ein regelrechter Goldtag werden. Nicht nur dank des herrlichen Sonnenscheins, das die Uferlandschaft in ein gelbes Licht tauchte. Wegen des niedrigen Wasserstandes war ein tieferes Graben möglich; so kamen wir an Schichten, die wir selbst im Hochsommer kaum erreichen. Aber auch die Funde waren letztendlich mehr als beachtenswert. Das erhoffte Rheingoldnugget hatten weder Andreas noch ich in der Pfanne, dafür zählte ich am späten Nachmittag mehr Goldflitter auf dem Pfannenboden als in derselben Zeit an einem „ganz normalen“ Sommertag.

Aufgrund der frischen Temperaturen war nur ein kurzer Kontakt mit dem Wasser möglich. Unsere Hände waren mit einer dicken Schicht schützender Handcreme eingerieben. Die körperliche Bewegung während des Schaufelns sorgte überdies für angenehme Wärme in der vielschichtigen Bekleidung. Wegen der Außentemperaturen wuschen wir die Schleuseninhalte nicht vor Ort aus, sondern beförderten das Konzentrat aus Schwermineralien und dem Edelmetall vollständig in mitgebrachte Behälter. Die Trennung von Gold und dem Konzentrat wurde zu Hause in der warmen Stube im Schwarzwald vorgenommen.

Für eine Überaschung sorgte Andreas noch mit der Präsentation seiner vorigen Funde. Die Böden zweier Gläschen waren von endlos vielen Goldflittern bedeckt. Schließlich zog er noch ein drittes Gläschen hervor. Noch im alten Jahr war er an einem Gebirgsbach am Feldberg im Schwarzwald unterwegs. Die wenigen Goldpartikel waren zwar winzig, dafür aber hatte er nun den Beweis angetreten: Auch seine Heimatgemeinde Oberried bei Freiburg hat ein winziges Goldvorkommen. Naja, eine wiederholte Goldsuche wird er dort vielleicht nicht mehr so schnell einplanen. In derselben Zeit sind am Rhein halt doch weitaus größere Funde zu machen. Trotzdem: Gratulation!