Blog – Herbstbeginn

Jetzt geht’s wieder öfters alleine an den Rhein!

Istein, 27.09.2018 – Dieses Jahr war vielleicht die erfolgreichste Goldwaschsaison. Seit dem Frühling stand ich mit Menschen aus ganz Deutschland am Ufer des Altrheins, führte sie in die Welt der Goldsucher ein und zeigte ihnen, weshalb wir wo fündig werden. Nun, mit Beginn des Herbstes, gehe ich wieder öfters alleine zum Goldwaschen. Einsam bin ich deshalb noch lange nicht.

Gestern war so ein Tag. Die Sonne knallte vom Himmel, ich hatte unerwartet einen halben Tag arbeitsfrei. Also rasch die Ausrüstung gepackt und ab die Post zum Rhein. Dort hockten bereits  zwei altbekannte Digger auf der Geröllbank: Hans und Wolfgang. Die beiden waren offenbar seit Stunden im Einsatz.

Keine Frage, sofort den Kram auspacken und loslegen. Nur keine Zeit verlieren!  Aber wo beginnen?

Ein paar Schürfversuche, dann war die ergiebigste Stelle gefunden. Praktischerweise lag  sie nur ein bis zwei Meter von den  Kollegen entfernt. Das Schwätzle während der Pfannenschwenkerei war gesichert.

Ein paar Gramm Gold auf der vier Meter breiten Goldlinie geschürft.

Flussaufwärts waren zwei weitere Goldsucher. Aus der Ferne sah einer verwegener als der andere aus. Fast so wie im Wilden Westen oder vom Klondike. Einer kam zu uns runter. Der Abenteurer mit dem Wildwesthut hieß Michael und wohnt in Colmar. Zum ersten Mal sei er hier auf der badischen Rheinseite, ansonsten buddle er drüben. Dort bei den Kembser Inseln habe er die mehrere Meter breite und ziemlich lange Goldlinie abgegraben. Total. Der Lohn: ein paar Gramm Gold.

Selfie mit Goldwäschern: ich, Michael aus Colmar, Wolfgang und Hans (v.l.).

Die Bilder auf seinem Handy ließen Hans, Wolfgang und natürlich auch mich  staunen. Wir waren beeindruckt. “Jetzt  ist nichts mehr dort!” gab er uns zu verstehen. Wir badischen Goldsucher wollten das nicht glauben. Ist sicherlich nur so ein Trick. Ich werde das demnächst mal überprüfen… Michael zog weiter. Er wollte heute nur Schürfproben nehmen. Klar, und die besten Stellen finden. Aus den Augenwinkeln beobachten wir ihn ganz genau, bis er hinter der  Flussbiegung verschwand.

Das Ergebnis von ein paar Stunden Arbeit, unterbrochen von netten Schwätzle mit Goldsucherkollegen.

Dann gaben wir Gas: noch schneller buddeln, schwenken und die Goldflitter auftupfen. Ein paar Gramm Gold, das wollten wir auch. Stille, nur das Plätschern der Schaufeln und Pfannen. Gelegentlich unterbrochen von Jubelrufen. Hans hatte mal wieder einen Großen gefunden. Gemeint waren Flitter von einem Millimeter Durchmesser. Oder halb so groß.

Plötzlich ein ganz lauter Jauchzer: “Jo, hör’ uff! Ein Brocken!” Das war Hans. Wolfgang und ich ließen alles liegen und stehen, bewunderten das Prachtexemplar. “Mindestens 4 Millimeter!” schätzte ich das Goldstück ein. Hans korrigierte: “Höchstens 3,5 Millimeter.” Okay, vielleicht irgendwo dazwischen. In jedem Fall war es dicker als alle anderen. Ziemlich dick.

Dann kam der zweite Goldsucher von oberhalb zu uns. Er sah ziemlich spannend aus: langes Hemd mit Badehose. Er heißt Werner, stammt aus der Gegend und ist ebenfalls öfters hier. “Hat Euch der Typ auch von den vielen Funden erzählt?” fragte Werner. “Wenn der weniger als 30 Flitter in der Pfanne hat, taugt der Waschplatz nichts.” Ich schaute in meine Pfanne. Darin glänzten gerade mal zwei, vielleicht drei Flitterchen. Es waren die schönsten Goldstückchen überhaupt. Ich tupfte sie zu den anderen in das Aufbewahrungsgläschen und war trotzdem happy.

Mal seh’n, vielleicht finde ich demnächst ja auch so ein großes Stück wieder “Brocken” von Hans. Oder habe in meiner Pfanne mindestens 30 Flitter aufs Mal. Übrigens, beim Goldwaschen hatte ich heute keine Waschrinne eingesetzt.

Anmerkung: Soeben hat mir Hans eine Mail geschickt: “Übertreib net. Sind 3,5 mm.”


Goldwaschen am Rhein – das letzte Abenteuer unserer Zeit