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Hochwasser

Hochwasser - Gefahr am Fluss

Grißheim, Bad Bellingen, Istein (16.07.2021) - Über Wochen anhaltende Regenfälle in Deutschland, der Schweiz und in Österreich haben den Wasserstand des Rheins stark anschwellen lassen. Auch wenn es immer mal wieder eine Wetterberuhigung gab und in der Folge der Pegel geringfügig fiel, so setzten erneute Unwetter mit Starkregen der kurzen Verschnaufpause ein jähes Ende. Letztendlich erklomm der Wasserstand immer neue Höhen. Am 15. Juli 2021, genau um 13.45 Uhr, wurde eine Wasserhöhe von 780 cm aufgezeichnet.

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Am Altrhein wird der Pegel bei Rheinweiler (Gemeinde Bad Bellingen) gemessen. Die Pegelstände, die wir permanent abrufen, dienen neben der Wettervorhersage als Referenz, um die Situation auf den einige Kilometer entfernteren Geröllbänken beurteilen zu können. Unterschreitet der Pegel eine Wasserhöhe von 230 cm, sind die Goldwaschplätze trockenen Fußes gefahrlos erreichbar; sie liegen über Wasser. Überschreitet der Wert die Marke von 230, ist ein Goldwaschen nur noch auf den höchst liegenden Geröllbänken (Ausweichplätze) machbar, allerdings nur bis zu einem in Rheinweiler gemessenen Pegelstand von 260 cm.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Pegel Rheinweiler gibt lediglich einen Anhaltspunkt und lässt damit Rückschlüsse auf die Goldwaschbänke zu. Geschürft wird nicht in Rheinweiler, sondern flussabwärts bei Hartheim und flussaufwärts im Bereich Istein. Dort ist das Wasser dann in Ufernähe lediglich wenige Zentimeter tief. Wird der Wert von etwa 260 cm überschritten, ist nirgendwo am Altrhein Goldwaschen möglich.

Früher traten Hochwässer zumeist mit der Schneeschmelze auf, oft verbunden mit anhaltenden Regenfällen. Das Wasser konnte nicht mehr versickern und suchte sich oberflächig seinen Weg über Bäche und Flüsse. In den letzten Jahren beobachten wir eine Zunahme der Sommer-Hochwässer. Ihnen gehen heftige Unwetter mit Starkregen insbesondere in den Quellgebieten des Rheins voraus. Im Sommer 2021 allerdings hielten die Unwetter über Wochen an und sorgten für ein Dauer-Hochwasser, das lediglich von kurzen Schönwetterperioden unterbrochen war. Verantwortlich dafür war eine über Wochen verharrende, rotierende Tiefdruckzone über Mittel- und Südeuropa. Beim Rotieren wurde sie über dem Atlantik mit reichlich feuchtschwüler Luft versorgt; die Wassermassen kamen als Starkregen in West- und Süddeutschland, den Benelux-Ländern, aber auch in der Schweiz und in Teilen Österreichs herunter. Die Folgen waren teils verheerend.

Das Markgräflerland und der Schwarzwald erlebten zwar heftige Unwetter, aber Schäden blieben weitgehend aus. Manchmal schien sogar die Sonne, während gleichzeitig der Rhein immer mehr Wasser brachte. Am Hochrhein wurden Uferpromenaden überschwemmt, mussten ufernahe Wege und Straßen gesperrt werden. Und im Bereich des Altrheins zwischen Markgräflerland und dem Elsass versanken alle Geröllbänke und sogar ganze Wälder in den Fluten. Gleichzeitig wurden die riesigen Rückhaltebecken überschwemmt.

Ich suche schon seit meiner Kindheit nach Gold. Es ist eine Leidenschaft, die mich auch in etliche Länder geführt hat. Hochwässer gibt es überall und immer wieder. Waren in früheren Jahren die Frühjahrshochwässer während der Schneeschmelze ein ständiger Begleiter, so habe ich seit einigen Jahren den Eindruck, dass die sommerlichen Überschwemmungen nach heftiger werdenden Unwettern zunehmen. Aber an ein so lange anhaltendes Hochwasser wie in diesem Sommer kann ich mich nicht erinnern. Üblicherweise dauerten die sommerlichen Überschwemmungen nur ein bis zwei Wochen. Hinterher fiel der Flusspegel so rasch wie er angestiegen war. Manchmal konnte bereits nach einem Tag Hochwasser wieder geschürft werden. Spuren an den Dämmen wie umgeknicktes Gras verrieten, dass der Rhein an den vorhergehenden Tagen mehr Wasser als für diese Jahreszeit üblich mit sich führte. Aber im Sommer 2021 ist alles anders. Dennoch wird auch diese Flut vorüber gehen. Irgendwann wird sich das Tiefdruckgebiet verziehen, und damit enden die Unwetterfluten. Langzeit-Wetterprognosen zeigen ein positives Bild.

Gefahren bei Hochwasser

Auf keinen Fall sollte man die Gefahren eines Hochwassers unterschätzen. Auch wenn es sich "nur" um Wasser handelt. Denn Wasser hat eine gewaltige Zerstörungskraft. Bei heftiger Strömung ist das Durchqueren eines Flusses bereits ab Knietiefe kaum noch möglich. Nimmt die Strömung zu, hält man sich nicht mehr auf den Beinen. Aber auch an einem schönen Sonnentag und Niedrigwasser kann eine Hochwassergefahr lauern. Gehen flussaufwärts plötzliche Unwetter mit Starkregen nieder, kann der Wasserstand rasch ansteigen. Deshalb kommt es bei Ausflüglern, die die idyllische Rheinauenlandschaft genießen möchten, immer wieder zu tragischen Fehleinschätzungen. Wer einen Wasseranstieg registriert, sollte die Uferlinie genau im Auge behalten. Mein Tipp: An der Wasserkante eine Steinmarkierung platzieren. Hochwasser kommt leise und schnell. Bei einem raschen Anstieg sollte sofort das Ufer verlassen werden. Aber bitte nicht nur auf einen höheren Punkt ausweichen, sondern (auch wenn's schwer fällt) den sehr viel höher liegenden Dammweg aufsuchen. Dort ist man in Sicherheit. Denn die Flüsse haben ihre Tücken. In der Regel werden wie am Beispiel der Rheinwälder die hinteren Bereiche von Mulden durchzogen. Steigt das Wasser, werden diese zu reißenden Kanälen. Ein weiterer Rückzug ist dann nicht mehr möglich. Übrigens, es versteht sich von selbst, dass Rheininseln und Felsen im Wasser nicht als Einladung verstanden werden dürfen. Binnen kürzester Zeit könnten selbst die erhöhten Stellen überflutet sein. Da aber auch die Strömung um die Inseln herum und der Wasserstand zunehmen, ist der Rückweg abgeschnitten.

Immer wieder entdecke ich auf meinen Streifzügen am Rhein verlassene Schlafstätten oder zerstörte Zelte. Offenbar gibt es immer wieder Leute, die einer romantischen Abendstimmung erliegen und sich für eine Nacht am Ufer hinreißen lassen. Die verstreut herumliegenden Campingutensilien verraten jedoch, dass hier jemand plötzlich die Flucht antrat. Wird man im Schlaf vom Wasser überrascht, kann es bereits zu spät sein. Steigendes Wasser verrät sich nicht durch ein Rauschen, sondern schleicht sich still und leise an. Handy und Taschenlampe sind plötzlich durchnässt und damit kaputt. In der stockfinsteren Nacht gibt es keine Orientierungspunkte. Das führt unweigerlich zur Panik. Davon abgesehen: Wildes Zelten ist in Deutschland verboten. Müssen Rettungskräfte ausrücken, gibt's zu den hohen Bergungskosten noch eine saftige Geldstrafe obendrein. Aber das dürfte das geringste Problem sein...